die jochsche brauerei – eine kurze geschichte

Das Gebäude des hier überplanten ehem. Verwalterhauses gehört zu dem weitläufig angelegten Komplex – das Ensemble erstreckt sich von der Jochstraße bis zur Gartenstraße – der Jochschen Dampfbrauerei aus den 1860er Jahren. Von 1887 bis 1926 wurde die Brauerei als Aktiengesellschaft betrieben. Gebraut wurde hier u.a. ein „Kyffhäuser-Pilsener“. Die industrielle Bierherstellung wurde im Jahre 1927 aufgegeben; während des Zweiten Weltkrieges dienten die ausgedehnten Kelleranlagen unter dem westlichen Grundstücksbereich zur Herstellung von Raketenteilen (Außenstelle des KZ Mittelbau-Dora), nach dem Krieg wurden Teile des Komplexes zur Stanzerei umgenutzt.



ansichten und funktionen

Kellergeschoss
- Kellersaal (160 Sitzplätze) einschließlich
- Nebenflächen wie WC´s, Küchen- und Lagerbereich

Erdgeschoss
- Bürgerbüro,
- öffentliche WC-Anlage einschl. Behinderten-WC,
- 3 Ladengeschäfte
- H.A.R., Nebenräume

Obergeschoss
- 4 barrierefreie Wohnungen unterschiedlicher Größe

Dachgeschoss
- 4 barrierefreie Wohnungen unterschiedlicher Größe
jeweils mit Aufzugsanlagen erreichbar


die suche nach dem bernsteinzimmer

Nach der Wende hat die Stadt Kelbra durch Grundstückskäufe das gesamte Gelände wieder zusammengeführt. Es befindet sich jetzt bis auf den östlichen Teil im Eigentum der Stadt. In den letzten Jahren wurden die desolaten Aufbauten abgerissen, die Keller abgedichtet und der Schornstein als Industriedenkmal saniert.
Heute noch sind kleine Öffnungen in einigen Kellerwände feststellbar. Diese Wände wurden aufgebrochen, weil man hier nach 1990 Teile des verschollenen Bernsteinzimmers vermutete.
Mitglieder des Fördervereins für Heimatgeschichte führen zum Tag des offenen Denkmals oder nach Vereinbarung interessierte Bürger durch die Kelleranlagen und erläutern die Entstehung und die wechselvolle Nutzung der riesigen Kellerräume.


objektdaten

Das Bauwerk wurde in einer ersten Maßnahme gesichert und soll nunmehr mittels Umbau und Sanierung einer nachhaltigen, neuen Nutzung als Bürgerzentrum mit öffentlich bzw. gewerblich genutzten Teilbereichen zugeführt werden.



termine

Bauantrag: 09.2014
Baufeldfreimachung: 03.2015
Baubeginn, geplant: 10.2015
Fertigstellung, geplant: 2017


Städtebauliche
sowie planerische Ziele

  • Revitalisierung des Gebäudes als neues Bürgerzentrum der Stadt
  • Erlebbarmachung des Kellergewölbes durch Einrichtung eines Veranstaltungssaales, der zudem barrierefrei erreichbar ist,
  • Freistellen des überlieferten Gebäudegrundrisses durch Rückbau späterer Anbauten, Sicherung und Erhaltung der baulichen Substanz, insbesondere der tragenden Konstruktion
  • Wiedergewinnung des historischen Erscheinungsbildes in Material und Farbgebung


  • denkmaleigenschaft, kubatur
    und materialität

    Kulturdenkmal i.S. d. DenkmSchG LSA
    aufgrund seiner technisch-wirtschaftlichen und städtebaulichen Bedeutung

    Beschreibung
    teilunterkellert, zweigeschossig, traufständig zur Jochstraße mit Seitenflügel, Steildach,

    Besonderheiten
    Brunnenloch im Bereich der Kellersohle (Nutzung zu Kühlzwecken)
    z.T. Reste non Firmen-/Werbetafeln (Glattputzflächen mit Schriftzügen)

    Bauweise
    massiv mit ansichtigem Quadermauerwerk des roten Kyffhäusersandsteines als Verblendmauerwerk. Die Fassaden wurden in klassischem Formenvokabular des Historismus und unter sehr sparsamer Verwendung von Zierelementen (Friese der Giebel und des Traufgesimses) ausgestattet.